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Agiles Experiment

Agile Entwicklungsmethoden wie SCRUM oder Kanban werden in Zeiten sich stetig verkürzenden Entwicklungszyklen immer beliebter, nicht nur in der Software- sondern auch in der Hardware (HW)-Entwicklung. Der größte Unterschied zu klassischen Projektmanagement (PM)-Methoden besteht dabei in der frühzeitigen Einbeziehung des Kunden in den Entwicklungsprozess. Das ist für den Kunden zwar zeitintensiv, da er ständig für Feedback zur Verfügung stehen muss, bietet aber klare Vorteile. So hat der Auftraggeber ständig Einblick in den aktuellen Entwicklungsstand, kann negative Tendenzen frühzeitig erkennen und entsprechend gegensteuern.

Klassisch vs. agil und dynamisch

Ein Unternehmen das beispielhaft für die erfolgreiche Implementierung von SCRUM in die HW Entwicklung steht ist Wikispeed. Es ist ein Automobil Prototyping Unternehmen, welches im Jahr 2006 von Joe Justice gegründet wurde. Im Team Wikispeed arbeiten Experten aus den verschiedensten Branchen wie Luft- und Raumfahrt, Elektro- und Maschinenbauwesen oder dem Informationstechnologie- (IT) Sektor zusammen. Diesem Expertenteam gelang es, während der Teilnahme am Progressive Insurance X Prize ein 100 mpg (Meilen pro Gallone) Auto in nur drei Monaten zu entwickeln. Dieses Fahrzeug beschleunigt in unter fünf Sekunden von 0 auf 97 Stundenkilometer, wiegt nur 637 Kilogramm, erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 240 Kilometer pro Stunde und erfüllt die juristischen Anforderungen an die Straßenverkehrssicherheit. Mit diesen Eckdaten sicherte sich das Fahrzeug den zehnten Platz der „Mainstream Klasse“. Das Team Wikispeed konnte somit durch das strikte Übertragen von SCRUM in die HW Entwicklung über hundert Konkurrenzfahrzeuge, von namhaften und finanzstarken Unternehmen und Universitäten, hinter sich lassen. [1] [2]
Ein Sprint – wie bei SCRUM üblich – dauerte bei Wikispeed eine Woche. Also wurden sämtliche Fahrzeugentwicklungen alle sieben Tage überprüft, um danach die nächste Iterationsschleife einzuleiten, bei der jedes Fahrzeugteil nach der nächst höheren Priorität weiterentwickelt wurde. Während in den Automobilunternehmen Entwicklungszyklen von durchschnittlich drei bis vier Jahren dem heutigen Standard entsprechen, wird im Vergleich mit Wikispeed deutlich, wie viel Dynamik und

damit auch Nähe zu den Kundenwünschen bzw. -anforderungen gewonnen wird. So kann es bei den etablierten Autobauern sein, welche nach den klassischen PM Methoden agieren, dass der Kunde am Ende eines Modellzyklus von derzeit ca. acht Jahren ein Fahrzeug erwirbt, welches die Kundenwünsche von vor zwölf Jahren und mehr repräsentiert. [1] [2] [3]
Durch die Verkürzung der Entwicklungszeit sinken auch die Entwicklungskosten. Wikispeed ist ein reines Prototyping Unternehmen, welches keine großen Stückzahlen produziert. Somit ist es nicht vergleichbar mit unseren Original Equipment Manufacturers (OEM). Allerdings haben auch die OEM agile PM Methoden wie SCRUM bereits für sich entdeckt und setzen diese mittlerweile auch in der HW Entwicklung ein. So implementiert bspw. die BMW Group SCRUM bei der agilen Prozessplanung in der Motorenproduktion. Im Unterschied zum klassischen Produktentstehungsprozess (PEP) lief nach der Explorationsphase, also ab einer definierten Zielvorgabe, die Planungsphase bis zum Beginn des Anlagenbaus zur Motorenfertigung in Sprints ab. Durch den gelebten agilen PEP konnte so eine verbesserte Reifegradentwicklung erzielt werden. [4]
Der agile PEP in der Motorenproduktion bei der BMW Group verdeutlicht, dass agile PM Methoden auch in der HW Produktion immer mehr eingesetzt werden. Sie können die Entwicklungszeit verkürzen und Kostenvorteile mit sich bringen.

Quellen:
[1] http://wikispeed.org/
[2] https://www.forbes.com/sites/stevedenning/2012/05/10/wikispeed-how-a-100-mpg-car-was-developed-in-3-months/#5d40511528bf
[3] time2 MAN X-Lab_2015-08-28

Welche Chancen bietet agiles Arbeiten?
Wo lohnt es sich, erste Schritte zu gehen?

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